DDR

DSS-Arbeitspapiere 5 | 1992

Militärwissenschaft in der DDR 1949-1990: ideengeschichtliche Grundlagen, Erkenntnisstand und kritische Wertung

ISSN 1436-6010 | 106 Seiten

Das vorliegende Heft enthält die Beiträge eines Werkstattgesprächs über ideengeschichtliche Grundlagen, Erkenntnisstand und kritische Wertung der Militärwissenschaft in der DDR, das vom 5. bis 7. November 1991 in Dresden stattfand. Veranstalter waren die Dresdener Studiengemeinschaft SICHERHEITSPOLITIK e.V. (DSS) und die Arbeitsgemeinschaft Internationale Politik und Strategieforschung (AIPS) an der Universität Mannheim. Die Mannheimer Arbeitsgemeinschaft unter Leitung von Prof. Dr. Dietmar Schössler trifft sich seit dem Spätsommer 1990 zu Werkstattgesprächen mit seinerzeit noch an der Militärakademie der DDR, danach in der DSS tätigen Wissenschaftlern. Die meisten der in vorangegangenen Gesprächen gehaltenen Beiträge sind im Heft 4 der Arbeitspapiere veröffentlicht worden. In den Begegnungen entstand die Idee, sich mit der Entwicklung des militärtheoretischen Denkens in der DDR näher zu befassen. Diesem Anliegen entsprechend waren die Referenten diesmal überwiegend ehemalige Militärs, die als Hochschullehrer für Militärwissenschaft, für Philosophie und politische Wissenschaften an der Militärakademie lange Jahre die Militärtheorie in der DDR mitgetragen haben. Das Erkenntnisinteresse richtete sich besonders auf eine kritische Bestandsaufnahme der in der DDR betriebenen Militärwissenschaft, um auf dem Gebiet militärtheoretischen Denkens Zeitgeschichte zu fixieren und Aufhebenswürdiges für heutige sicherheitspolitische Herausforderungen nutzbar zu machen.

DSS-Arbeitspapiere 8 | 1993

Entmilitarisierungskonzepte aus der Endphase der DDR: verlorene Illusionen ?

ISSN 1436-6010 | 20 Seiten

Wenige Jahre erst trennen uns von dem überraschenden Ende des Ost-West-Konflikts, das die Hoffnung aufkeimen ließ, endlich aus dem Zeitalter von Kriegen, spannungsgeladener militärischer Konfrontation und bloß brüchigen, mit militärischer Abschreckung erzwungenen Friedens herauszutreten. Mit dem feindlichen Gegensatz sozialer Systeme, so schien es, müßten auch die Gründe entfallen sein, Sicherheit durch militärische Macht erlangen zu wollen. Unerwartete Möglichkeiten schienen sich zu eröffnen, um das in äußerster Gefahr entstandene Neue Denken in die politische Wirklichkeit zu überführen: die Einsicht, daß der Krieg unter den Bedingungen der Hochtechnologie irrational und dysfunktional ist, daß Sicherheit nicht mit militärischen Mitteln zu erreichen und eine Umkehr zu zivilen Sicherheitsstrukturen notwendig ist. Im Zeichen des Aufbruchs in ein neues Zeitalter des unbewaffneten Friedens und der kooperativen Sicherheit standen auch die Bemühungen um die Entmilitarisierung der Sicherheit und der Gesellschaft im Herbst 89 und der ihm folgenden Endzeit der DDR. All die konzeptionellen Ideen und praktischen Schritte dieser bewegten und bewegenden Zeit erscheinen heute vor dem Hintergrund der ernüchternden Tatsachen als verlorene Illusionen. Angesichts des schockierenden Rückfalls in den militärischen Interventionismus von Großmächten und in eine Serie nationaler, religiöser und ethnischer Kriege ist man versucht, sie als wirklichkeitsfremd und untauglich der Vergessenheit zu überantworten

Schlagworte: Sicherheitspolitik | Militär | Frieden | DDR

DSS-Arbeitspapiere 17 | 1995

Rüstungsproduktion in der DDR – Konversionspotential und Konversionspraxis zur Zeit der Wende

ISSN 1436-6010 | 24 Seiten

1995 ist das Gedenkjahr für viele Ereignisse, die vor einem halben Jahrhundert den Gang der Weltgeschichte nachhaltig beeinflußten und die Entwicklung in Deutschland entscheidend prägten. Der zweite Weltkrieg wurde beendet und damit ein Kapitel europäischer Geschichte formell abgeschlossen, das erst jetzt, nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes in seinen konfrontativen Zügen, einen endgültigen Abschluß finden könnte, welcher dem aufopferungsvollem Kampf der europäischen Völker gegen den Faschismus deutscher Prägung gerecht wird. Das Ende des zweiten Weltkrieges, das in Kreisen von Politik und Wissenschaft sehr unterschiedlich beschrieben und bewertet wird, wurde zum Ausgangspunkt des Kalten Krieges. Der zweite Weltkrieg brachte der Menschheit unsägliche Menschen-, Material- und Kulturverluste. Sie sind peinlich genau aufgelistet. Die Verlustbilanz des Kalten Krieges wird hingegen weit weniger genau wahrgenommen. Sie läßt sich auch schwieriger darstellen. Wer kann die Rüstungsunsummen genau auflisten, wer die ökologischen Schäden exakt berechnen, wer die politischen und sozialen Folgen hinreichend genau beschreiben – und wer kann die Menschenopfer zählen, die auch der Kalte Krieg verlangte? Dieser materielle und ideelle Rüstungswahn zur Zeit des Kalten Krieges ging von beiden Blöcken aus und wurde gegen Ende der Ost-West-Konfrontation auf eine Höhe getrieben, die für die Völkergemeinschaft existenzbedrohend war und im real existierenden Sozialismus wesentlich zum schnellen Untergang des Systems beitrug. Die Möglichkeiten zu einer zügigen und effektiven Transformation in marktwirtschaftliche Strukturen wurden dadurch stark eingeengt. Der Rüstungswettlauf vollzog sich auch in den beiden deutschen Staaten. Die Gründung der BRD und der DDR fiel in die Zeit äußerst forcierter politischer und militärischer Spannungen zwischen den beiden Weltlagern. Ihr außenpolitisches Gesicht war von Anfang an durch Blockkonfrontation geprägt. Das bestimmte auch ihre gegenseitigen Beziehungen. Oft wird davon gesprochen, daß die Territorien der beiden deutschen Staaten die rüstungsintensivsten Regionen der Welt gewesen seien.

DSS-Arbeitspapiere 22 | 1996

Bericht über eine Meinungsumfrage unter Armeeangehörigen und Angehörigen der Grenztruppen der DDR zu aktuellen politischen Fragen und zum Verlauf der Militärreform der DDR (April 1990)

Erinnerungen an die „Wendezeit“ in der Bezirkssektion „Militärpolitik“ der URANIA
Autor: Gustav Urbani

ISSN 1436-6010 | 24 Seiten

Der folgende Bericht über eine Meinungsumfrage wurde in der letzten Phase der Existenz der DDR vom Lehrstuhl SOZIOLOGIE der Militärakademie „Friedrich Engels“ vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet. Er dokumentiert das Meinungsbild von über 100.000 Soldaten der DDR unterschiedlicher Laufbahngruppen in einer politisch außerordentlich bewegten Zeit und reflektiert bis zu einem gewissen Grade den zum Zeitpunkt der Befragung erreichten Stand der Militärreform. Es entsteht ein ziemlich deutliches Bild über die geistige Verfassung der Armeeangehörigen und der Grenzsoldaten in der sogenannten Wendezeit. Ihre Widersprüchlichkeit erklärt sich demzufolge aus dem sich vollziehenden Umbruch, in dem Zukünftiges vielfach im Unklaren lag. Die Befragung fand kurz vor der letzten Wahl zur Volkskammer, dem Parlament der DDR, vom 19. März 1990 statt. Der Prozeß der deutschen Vereinigung war längst in Gang gekommen. Wie er sich jedoch konkret vollziehen würde, war in vieler Hinsicht unklar. In besonderem Maße traf dies auf die Zukunft der Streitkräfte zu, standen sich doch die bewaffneten Kräfte beider Militärblöcke in Europa seit über 40 Jahren feindlich gegenüber. Deutlich wird, daß es hierzu vielerlei Illusionen gab, die zum Zeitpunkt der Befragung wahrscheinlich schon nicht mehr angebracht waren. Es ist nur logisch, daß davon auch die Berichterstattung über diese Meinungsumfrage nicht frei ist. Die Zeit der Befragung war zugleich durch eine weitgehende Militärreform in der DDR gekennzeichnet. Sie wird in aktuellen Publikationen über die Streitkräfte der DDR leider weitgehend verschwiegen. Zu dieser Militärreform mit tiefgreifenden Umbrüchen gehörte die Auflösung der Organisationen der SED und der Politorgane, die Bildung des Verbandes der Berufssoldaten und der Gewerkschaft der Armeeangehörigen, die Wahl von Interessenvertretern der Soldaten und Unteroffiziere in den Einheiten (Kompanien und Bataillone) und Truppenteilen (Regiment, Geschwader), die Existenz der „Runden Tische“ zur parteienübergreifenden Beratung und Entscheidungsvorbereitung, die einschneidende Veränderung der Dienstorganisation und der Gewährung von Freizeit und Urlaub u. v. a. m. Insgesamt ging es also darum, die Existenz und das Leben der Streitkräfte auf eine demokratische Grundlage zu stellen. In dieser Zeit ist eine gesonderte Zeitung speziell zu den Problemen der Militärreform herausgegeben worden.

Schlagworte: Sicherheitspolitik | Militär | Frieden | DDR | NVA

DSS-Arbeitspapiere 23 | 1996

Zur Rolle des NKWD in der Sowjetischen Besatzungszone

ISSN 1436-6010 | 32 Seiten

Ende 1995 erschien in Moskau ein Buch von Michael Semirjaga unter dem Titel „Wie wir Deutschland verwalteten. Politik und Leben“. Der Autor hatte mit dem Manuskript an einem Wettbewerb zum 50. Jahrestag des Sieges teilgenommen und erhielt den 1.Preis. Er war selbst Mitarbeiter der SMAD und nutzte seine persönlichen Erinnerungen und auch bisher nicht erschlossene Archivbestände des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und der Inneren Truppen des NKWD sowie das ehemalige Zentrale Parteiarchiv. Außerdem wurde neuere Literatur aus Rußland und der Bundesrepublik Deutschland verarbeitet. Die Arbeit ist nach Problemen gegliedert und besteht aus elf Kapiteln. In jedem Kapitel wird ein bestimmter Fragenkreis beleuchtet, mit dem sich die zentralen Organe und die Organe der SMAD in den Ländern beschäftigten. Mit Zustimmung des Autors wird das Kapitel 6 vorgelegt. Literatur aus Rußland und der Bundesrepublik Deutschland verarbeitet. Die Arbeit ist nach Problemen gegliedert und besteht aus elf Kapiteln. In jedem Kapitel wird ein bestimmter Fragenkreis beleucht

DSS-Arbeitspapiere 26 | 1996

Von der marxistisch-leninistischen Lehre vom Krieg und von den Streitkräften zum neuen Denken über Frieden, Krieg und Streitkräfte

Über die Umwälzung der weltanschaulichen Grundlagen der Militärwissenschaft und der Wehrmotivation an der Militärakademie „Friedrich Engels“ in Dresden

ISSN 1436-6010 | 36 Seiten

Im Rückblick auf die noch nicht so weit zurückliegende Zeit, in der sich Nationale Volksarmee und Bundeswehr als militärische Gegner gegenüberstanden, verdienen die weltanschaulichen Grundpositionen des Militärs besondere Beachtung. Beiderseits der Fronten des Kalten Krieges war das Selbstverständnis der Soldaten, waren die Motivation des Wehrdienstes und das soldatische Berufsethos weltanschaulich begründet. Hierzu gehörte nicht nur die weltanschauliche Einbindung in die jeweilige Gesellschaft und Wertegemeinschaft, sondern auch die weltanschauliche Haltung zu den spezifisch militärischen Zwecken. Das Unmittelbare, Nächstliegende, zu dem sich Soldaten in Beziehung setzen müssen, ist natürlich das, was sie tun, sind ihr Waffenhandwerk, der bewaffnete Kampf, der Verteidigungsfall, der Krieg, die Militärorganisation und die besonderen Erfordernisse, die alles das an Menschen im Militärdienst, an ihre Persönlichkeit und Verhaltensweisen stellt. Der Soldat kommt also nicht aus ohne weltanschauliche Haltung zum Krieg, zu militärischer Gewalt, zur Rolle von Streitkräften in der Staatsräson und bei der Wahrung von grundlegenden Lebensinteressen der Gemeinschaft, der er angehört. Im folgenden soll diese im engeren Sinne soldatische weltanschauliche Orientierung zur Rede stehen, wie sie für die Nationale Volksarmee maßgebend war, vor allem für ihre Offiziere. Worin bestanden die weltanschaulichen Ansichten der Offiziere über Krieg und Frieden, über Streitkräfte und Verteidigung? Wie wurden sie speziell an der Militärakademie bei Offizieren in mittleren und höheren Führungsfunktionen geformt? Welche Umwälzungen in den Ansichten vollzogen sich an dieser Einrichtung,

DSS-Arbeitspapiere 29 | 1996

Gedanken zur militärökonomischen Forschung und Lehre in der DDR

Vortrag auf der Wissenschaftlichen Veranstaltung „15 Jahre Gesellschaft für Militärökonomie e.V. , 5 Jahre Forschungsinstitut für Militärökonomie und Angewandte Konversion“ in Berlin

ISSN 1436-6010 | 22 Seiten

Vor 15 Jahren wurde die Gesellschaft für Militärökonomie e.V. gegründet. Sie entstand als Basisverein von westdeutschen Praktikern der Wirtschaft und der Streitkräfte aller Ebenen, von Wissenschaftlern aus Forschung und Lehre sowie von Politikern aus Legislative und Exekutive, die dieses Politik- und Wirtschaftsfeld vernachlässigt sahen und die vielschichtigen Aufgaben, die es im Spannungsfeld zwischen Volkswirtschaft und Streitkräften zu lösen galt, stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken wollten. Sie bemühten sich seitdem in mehr oder weniger organisierter Form und mit stärker oder schwächer ausgeprägter einheitlicher Zielsetzung, die militärökonomischen Erfahrungen beim Auf- bzw. Ausbau der Bundeswehr und des Rüstungssektors wissenschaftlich zu verallgemeinern und Vorschläge zur Effizienzverbesserung der militärökonomischen Theorie und Praxis in Wirtschaft und Truppe zu unterbreiten. Ein besonderes Anliegen bestand darin, die Aus-, Fort- und Weiterbildung auf militärökonomischem Gebiet wirkungsvoller zu gestalten. In der reichlichen ersten Hälfte dieses anderthalben Jahrzehntes der Existenz der Gesellschaft für Militärökonomie e.V. konnte sie nur im globalstrategischen Rahmen des Kalten Krieges, der zwischen Ost und West im Gange war, wirken. Die knappe zweite Hälfte ihres Bestehens war durch die allmähliche Überwindung der Blockkonfrontation zwischen NATO und Warschauer Vertrag sowie durch die politische Wende in der DDR, die zu ihrem Anschluß an die BRD führte, gekennzeichnet. In beiden "Halbzeiten" hatte die Gesellschaft für Militärökonomie e.V. Einfluß auf das militärökonomische Denken im zweigeteilten und später im staatlich vereinten Deutschland. Während sie anfänglich ihre gesellschaftliche Akzeptanz logischerweise ausschließlich durch das Auftreten ihrer westdeutschen Repräsentanten in der Bundesrepublik fand, und lediglich die immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen zwischen "hüben" und "drüben" punktuell Akzente im wissenschaftlichen Leben der beiden deutschen Staaten setzen konnten, spielte schon in der späten Phase der zweiten "Halbzeit" das gemeinsame Wirken der Militärökonomen und der militärökonomisch Interessierten in Ost und West eine bedeutende, ja eigentlich eine beispielgebende Rolle.

DSS-Arbeitspapiere 30 | 1996

Sicherheitspolitische Aspekte der Entwicklung nach der deutschen Wiedervereinigung

ISSN 1436-6010 | 36 Seiten

Nach der bedingungslosen Kapitulation im Jahr 1945 und der Aufteilung des Deutschen Reiches in vier Besatzungszonen war die Gründung der Bundesrepublik im Jahre 1949 ein erster Schritt zu neuer Staatlichkeit. Aber erst 1955 ging die Besatzungszeit offiziell zu Ende. Die Bundesrepublik wurde Mitglied der NATO und damit auch ein (fast) souveräner Staat. Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges behielten sich die Verantwortung für „Deutschland als Ganzes und Berlin“ vor. Die Bundeswehr wurde nach außerordentlich kontroversen Diskussionen in Öffentlichkeit und Parlament im gleichen Jahr gemäß Art. 87 a „zur Verteidigung“ aufgestellt. Sie war von Anbeginn fest in die Strukturen der NATO eingebunden. Sie besaß keinen Oberbefehlshaber, keinen Generalstab und damit auch keine nationale Führungsfähigkeit. Für ihren Umfang (500.000 Mann, 12 Divisionen) und ihre Bewaffnung gab es Auflagen. Die Politik der Bundesrepublik ging von Anfang an dahin, sich gegen den anderen auf deutschem Boden entstandenen Staat, die „Deutsche Demokratische Republik“, abzugrenzen. Sie erkannte die DDR nicht nur selbst nicht an, sondern betrachtete deren Anerkennung durch andere Staaten als unfreundlichen Akt, der nach der Hallstein-Doktrin in der Regel (Ausnahme Sowjetunion) mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen beantwortet wurde. Wegen dieser Politik kam auch ein Beitritt der Bundesrepublik zur Organisation der Vereinten Nationen nicht in Frage. Die Sowjetunion hätte ein Beitrittsgesuch der Bundesrepublik mit ihrem Veto verhindert, wenn nicht gleichzeitig die DDR aufgenommen worden wäre. So blieben zunächst beide deutsche Staaten vor der Tür der Weltorganisation, obwohl Art. 24 des Grundgesetzes die Bundesrepublik ausdrücklich ermächtigte, sich zur Wahrung des Weltfriedens einem „System gegenseitiger kollektiver Sicherheit“ anzuschließen.

DSS-Arbeitspapiere 33 | 1997

Die führende Rolle der SED in der Nationalen Volksarmee

Eine kritische Nachbetrachtung

ISSN 1436-6010 | 24 Seiten

„Die Nationale Volksarmee wird geführt durch die SED“ – dieser Satz, sowohl generelle Forderung als auch gesellschaftliche Realität, war in jeder Hinsicht von großer Tragweite. Diese allgemeine Feststellung fordert dazu heraus, sich mit dem Funktionieren dieser Führungsrolle in der Armee der DDR auseinanderzusetzen. Dabei sind für eine kritische Nachbetrachtung vor allem zwei ambivalente Gesichtspunkte bedeutsam: Erstens war die SED in der DDR mit einem nahezu uneingeschränkten Macht-, Führungs- und Wahrheitsanspruch etabliert. Sie nahm damit eine zentrale und unangefochtene Stellung in allen gesellschaftlichen Bereichen ein, so auch in der Nationalen Volksarmee. Die Partei, genauer: die Parteiführung, nahm für sich in Anspruch, die Gesellschaft als Ganzes zu steuern. So wurden Beschlüsse der Parteitage, des Zentralkomitees und des Politbüros der SED ohne „Umwege“ über die Volkskammer oder den Ministerrat der DDR direkt in der NVA ohne Einschränkungen um- und durchgesetzt. Das war verbunden bzw. war erst möglich mit einer tiefgreifenden ideologischen und moralischen Disziplinierung der Mitglieder der SED. Zweitens kann man nicht daran vorbeigehen, daß die SED mit ihren Organisationsformen bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeit gewährte, in demokratischer Weise Einfluß auf unterschiedliche Bereiche des militärischen Lebens zu nehmen. Hinzu kam ein breites Feld sozialer Betreuung. In den unteren Einheiten nahmen Politorgane und SED-Basisgruppen vielfach die Interessen der Armeeangehörigen wahr, suchten unnötige Härten des militärischen Dienstes zurückzudrängen und wandten sich entschieden gegen alle Erscheinungen des Machtmißbrauchs durch einzelne Vorgesetzte. Den SED-Mitgliedern in der Truppe, ob militärischer Vorgesetzter oder Politoffizier, war es ernst mit dem, was damals mit dem Begriff „sozialistische Menschenführung“ bezeichnet wurde. So kann man ihnen im nachhinein auch nicht pauschal absprechen, Richtiges und Gutes für ihre Unterstellten getan zu haben.

Schlagworte: Sicherheitspolitik | Militär | Frieden | DDR | SED | NVA

DSS-Arbeitspapiere 37 | 1997

Geheime Verschlußsache

Die Spezialpropaganda der Nationalen Volksarmee

ISSN 1436-6010 | 23 Seiten

Mit meinem Beitrag zu der Reihe „Rückblicke“ will ich an einen Aufgabenbereich der Nationalen Volksarmee erinnern, mit dem ich den größeren Teil meiner Dienstjahre befaßt war und dessen Betrachten aus heutiger Sicht durchaus geeignet sein kann, kritisches, aber unvoreingenommenes Verständnis für den Auftrag der Streitkräfte der DDR, vor allem aber für das Denken, Fühlen und Handeln derer, die seiner Realisierung verpflichtet waren, zu unterstützen. In bisherigen Nachbetrachtungen kann man darüber kaum etwas oder gar nichts finden, ja selbst als die NVA noch existierte, war das meiste nur Insidern bekannt, was u. a. der nicht immer nachvollziehbaren Geheimniskrämerei geschuldet ist, an die ich mich nun nicht mehr gebunden fühle. Die Rede ist von einem kleinen Dienstbereich, dem zugedacht war, auf den Gegner nicht mit Kanonen zu schießen, sondern, das Wirken der Waffen vorbereitend, begleitend und verstärkend, mit der Kraft des gesprochenen oder geschriebenen Wortes auf ihn einzuwirken .