2016

„Vertraulichkeiten zwischen der Kunst und dem Leben“?

Sergej Tretjakow im intellektuellen Haushalt der DDR

10 Seiten | Autor: Fritz Mierau

Der Übersetzer und Herausgeber Fritz Mierau zeichnet die Rezeption des russischen "Futuristen der jüngeren Linie" Sergej Tretjakow (1892-1937) in der DDR nach. Tretjakow erlangte Mitte der 1970er Jahre mit seiner "Ästhetik der Operativität" unter Intellektuellen und Künstlern der DDR eine denkwürdige Prominenz. Innerhalb kurzer Zeit kam es zu einer Reihe von Übersetzungen. An ihnen hatte Mierau wesentlichen Anteil. Er schildert als Beteiligter die verschlungenen Wege der Wiederentdeckung Tretjakows, der Debatten um ihn sowie den "utopischen Zauber", der von Tretjakows "Lebenskunstentwurf", dessen Konzept einer Durchdringung von Kunst und Leben, ausging.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2016
Big Data als Theorieersatz
146 Seiten

Eine kurze Genealogie und Anatomie des Habitusbegriffs

7 Seiten | Autor: Loïc Wacquant

Die philosophischen Ursprünge des Habitusbegriffs zu ergründen und dessen erstmalige Verwendung durch Bourdieu zu betrachten, der damit die historische Bruchlinie des algerischen Befreiungskrieges wie die Nachkrieges-Modernisierung des ländlichen Frankreichs zu beschreiben suchte, kann dabei behilflich sein, vier weithin geteilte Missverständnisse bezüglich des Begriffs aufzuklären. (1) Der Habitus ist niemals eine Replikation einer einzigen sozialen Struktur, sondern vielmehr ein dynamisches, multiskaliertes und vielschichtiges Set von Schemata, dass einer permanenten Revision in der Praxis unterworfen ist. (2) Der Habitus ist nicht notwendigerweise kohärent und einheitlich, sondern weist vielmehr variierende Grade von Verflechtungen und Spannungen auf. (3) Weil der Habitus nicht immer deckungsgleich mit dem ihn umgebenden Kosmos ist, in dem er sich entwickelt, eignet er sich gleichermaßen dafür, sozialen Wandel und Krisen zu erfassen wie Prozesse der Kohäsion und der Perpetuierung. (4) Schließlich ist der Habitus nicht als ein selbstgenügsamer Mechanismus der Generierungen von Handlungen zu verstehen: Die Untersuchung von Dispositionen muss stets in einer engen Verbindung mit einer parallelen Kartierung des Systems sozialer Positionen vorgehen, die die jeweiligen Fähigkeiten und Neigungen der Akteure entweder anregen, unterdrücken oder überschreiben. Grundlegend ist, dass der Habitusbegriff Bourdieus nicht als ein abstraktes Konzept zu verstehen ist, das auf einer theoretischen Ebene verbleibt, sondern als Skizze einer Forschungsperspektive, die die Genese des Denkens in das Zentrum sozialer Analysen stellt.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2016
Big Data als Theorieersatz
146 Seiten

Kapitalismusvarianten, Gender und die gesellschaftliche Bedeutung sozialer Dienste

15 Seiten | Autor: Cornelia Heintze

Seit dem Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 und verstärkt seit dem Machtzuwachs rückwärtsgewandter neurechter Kräfte hat sich die Debatte um Kapitalismus, Ungleichheit und die sozialen Risiken des neoliberalen Globalisierungsprojektes intensiviert. Überwiegend dominieren in diesem Diskurs Einschätzungen einer weitgehend festgefügten neoliberalen Hegemonie, der von links im historischen Rückblick das Ideal einer in der Nachkriegszeit kurzfristig ausgeprägten Kombination von fordistischem Kapitalismus und keynesianischer Wohlfahrtsstaatlichkeit entgegengestellt wird. Der Beitrag zeigt, dass diese Einschätzungen empirisch nicht zureichend belastbar sind. Sie resultieren aus einem Denkrahmen, der einseitig vom Markt her argumentiert und die Genderthematik bestenfalls als Appendix behandelt. Wird die Genderthematik aus dem toten Winkel herausgeholt und der Analyserahmen um die Rolle des Staates als Arbeitgeber und Produzent von Gütern erweitert, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Der Siegeszug des Neoliberalismus ist nicht so durchgängig wie behauptet und es bestehen Potentiale fort, der Marktlogik durch eine feministisch geprägte Form des dienstleistenden Nationalstaates Schranken zu setzen.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2016
Big Data als Theorieersatz
146 Seiten

Berliner Debatte Initial 4 | 2016

Big Data als Theorieersatz

ISBN 978-3-945878-11-8 | ISSN 0863-4564 | 146 Seiten

Big Data ist zum Schlagwort für das Sammeln und Auswerten enormer Datensätze geworden, die aus den digitalen Aktivitäten der Menschen gefiltert und von Algorithmen auf Muster hin analysiert werden. Wirtschaft, Politik, Alltagskommunikation, Öffentlichkeit, Kultur und Sport - all das wird von Big Data Schritt für Schritt durchdrungen. Doch was bedeutet Big Data für Wissenschaft und Forschung, vor allem: für die Sozial- und Geisteswissenschaften? Diese Frage steht im Mittelpunkt des aktuellen Themenschwerpunkts. Sie zu stellen, liegt nicht zuletzt deshalb nahe, weil sich mit dem Aufstieg von Big Data eine Provokation verbindet, die direkt auf das Selbstverständnis der Sozial- und Geisteswissenschaften zielt. Auf den Punkt gebracht hat sie der britische Journalist und Unternehmer Chris Anderson vor fast zehn Jahren, als er mit markigen Worten das Ende der Theorie und die Überflüssigkeit wissenschaftlicher Methoden verkündete.

Die sieben Schwerpunkttexte fragen einerseits, was von der steilen These, Big Data trete an die Stelle der Theorie, zu halten ist. Andererseits erkunden sie soziale, rechtliche und politische Implikationen von Big Data und demonstrieren damit, dass sozial- und geisteswissenschaftliche Analysen nicht überflüssig werden, sondern nötig sind, um Big Data zu begreifen. Der Themenschwerpunkt setzt damit eine Diskussion in unserer Zeitschrift fort, die Tara Fenwick und Richard Edwards in ihrem Text über die Auswirkungen digitaler Technologien auf Berufe und Professionen angestoßen haben (siehe HIER). Eröffnet wird der Schwerpunkt mit einer thematischen Einführung, die die einzelnen Aufsätze vorstellt.

Im allgemeinen Teil dieses Heftes laden wir Sie ein, zusammen mit Marcy S. Sacks einen neuen Blick auf die Boxlegende Joe Louis und die zeitgenössische Deutung seiner spektakulären Sporterfolge zu werfen. Fritz Mierau fragt anschließend, welche Rolle der avantgardistische Schriftsteller Sergej Tretjakow, der dem Stalinschen Terror 1937 zum Opfer fiel, im intellektuellen Haushalt der DDR spielte. Danach beleuchtet Loïc Wacquant das Bedeutungsspektrum und Analysepotential des Habitus-Konzepts, das durch die soziologischen Arbeiten Pierre Bourdieus berühmt geworden ist. Cornelia Heintze legt schließlich dar, wie verschiedene Spielarten des Kapitalismus, die Geschlechterfrage und der Stellenwert sozialer Dienste in Europa zusammenhängen.

Inhalt

Eine andere Außenpolitik ist möglich – und nötig

2 Seiten | Autor: Jürgen Trittin

Der Sieg des Trumpismus in den USA, die Mehrheit für den Brexit in Großbritannien – diese Entwicklungen sind Ausdruck von Wut und Verbitterung über die gebrochenen Versprechen der Globalisierung. Die Menschen sind frustriert von einer Finanzkrise, die vielen Arbeit und Haus nahm, und versprechen sich vom Nationalstaat Schutz vor der Globalisierung.

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Welttrends 123 | 2017
Päpste und Politik
72 Seiten

Magier der Macht

Zum Tode von Fidel Castro Rúz

4 Seiten | Autor: Raimund Krämer

Mich in eine Ecke stellen, „pararme en una esquina“, vertraute Fidel Castro seinem Freund, dem kolumbianischen Schriftsteller Gabriel García Márquez, eines Nachts in den 1980er-Jahren an, das würde er am liebsten in dieser Welt machen. Er löffelte dabei etwas Eis und erschien seinem Gesprächspartner sehr verschieden von dem, was er ansonsten war, der wortgewaltige Machtpolitiker, der mit idealistischem Glauben und eiserner Disziplin seit Jahrzehnten seine Insel, und zeitweise nicht nur diese, in ein Paradies auf Erden zu verwandeln suchte.

Schlagworte: Fidel Castro | Kuba | Nachruf

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Welttrends 123 | 2017
Päpste und Politik
72 Seiten

Existenzielle Krise? Zur Lage der EU

5 Seiten | Autor: Petra Erler

Ist die EU in einer existenziellen Krise? Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker spricht gar von einer „Polykrise“. Dennoch stellt sich die Frage, ob man mit solch schwerwiegendem Befund dem Zerfallsprozess nicht erst recht Flügel verleiht.

Schlagworte: EU | Krise | Polykrise

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Welttrends 123 | 2017
Päpste und Politik
72 Seiten

Dank Trump: Deutschland doch noch Atommacht?

2 Seiten | Autor: Wolfgang Schwarz

Zumindest wenn es nach einem Möchtegern-Strategen namens Berthold Kohler ginge, seines Zeichens einer der Herausgeber der F.A.Z. Der hat sein Gebot der Stunde am 27. November 2016 der Öffentlichkeit kundgetan: Trump „will den Rückzug Amerikas aus der Welt befehlen“ und wird „die Verteidigung Europas (zuvorderst gegen Russland, versteht sich – W. S.) in einem Maße den Europäern überlassen, das sie seit 1945 nicht mehr kennen“.

Schlagworte: Trump | Deutschland | Atommacht | Militär

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Welttrends 123 | 2017
Päpste und Politik
72 Seiten

In Tat und Wahrheit lieben!

Anmerkungen zur Politik des Heiligen Stuhls

5 Seiten | Autor: Nikola Eterović

Die Überschrift über meine Anmerkungen zur Politik des Heiligen Stuhls ist die knappe Zusammenfassung eines Satzes, der sich im Neuen Testament im ersten Brief des Heiligen Johannes findet: „Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“ (1 Joh 3,18). Oft wird Religion verwechselt mit einer nur inneren Gefühlslage, einer frommen und daher privaten Sentimentalität. Der christliche Glaube steht jedoch immer in einem lebendigen Zusammenhang mit dem Tun.

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Welttrends 123 | 2017
Päpste und Politik
72 Seiten

Von Akkon nach Assisi

Der weite Weg der Annäherung von Katholiken und Muslimen

5 Seiten | Autor: Ingolf Bossenz

Rund 3.000 Kilometer Luftlinie trennen Akkon (Israel) und Assisi (Italien). Eine Entfernung, die heute leicht zu überwinden ist – weitaus leichter als die Schwierigkeiten des christlich-islamischen Dialogs. Der Beitrag beschreibt das ambivalente Verhältnis beider Religionen.

Schlagworte: Vatikan | Katholizismus | Islam

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Welttrends 123 | 2017
Päpste und Politik
72 Seiten