Christoph Sebastian Widdau

Eigenwillig und dialogbereit

Zum Tode von Sibylle Tönnies

2 Seiten | Autor: Christoph Sebastian Widdau

Sibylle Tönnies war eine eigenwillige Person. Dies zu sein, glauben viele; dies zu sein, wünschen sich manche. Von ihr meine ich dies behaupten zu dürfen, ohne Einschränkung. Sowohl eigenwillig als auch dialogfähig, weiß Gott keine Standardmischung. Wenn man sich mit ihr, in ihrem Haus und Garten in Potsdam, bei mehreren Tassen Tee (englisch) über politische und philosophische Probleme und Scheinprobleme unterhielt, dann handelte es sich tatsächlich um ein Gespräch, ein Zwiegespräch, nicht um einen von ihr geführten Monolog, der folgend als anregender Austausch hätte verkauft werden sollen. Die bei nicht wenigen intelligenten Menschen festzustellende Eitelkeit, ein Selbstgespräch vor einem anderen als eine Unterredung anzusehen, schien ihr fremd. So mein Gefühl, nachdem ich einige Male ihr Gast und Gesprächspartner sein durfte.

Schlagworte: Nachruf

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Erschienen in
Welttrends 129 | 2017
Frankreich im Umbruch
72 Seiten

Was ist und was soll Kulturkritik?

Eine Einführung

Kulturkritik ist allgemein zu begreifen als eine diagnostisch und therapeutisch motivierte Beurteilung von menschlichen Gesellschaften, Gemeinschaften und Gruppen. Kultur ist dabei sowohl der normative Standpunkt der Kritik an diesen Einheiten – die gemäß diesem Standpunkt als noch nicht oder als wieder nicht kultiviert auszuzeichnen sind – als auch das Objekt, auf das sich Kritik bezieht – die verkommene Gegenwartskultur dieser Einheiten vs. eine „Idealkultur“. Kulturkritik hat ihren Ursprung in einer exklusivierenden Distinktionstechnik elitärer oder sich selbst als elitär verstehender Zirkel, die den aktuell gegebenen und sich fortan abzeichnenden Abfall von einem Kulturideal beklagen. Deren Mitglieder können sich folgend kritisch, auch herablassend über „die anderen“ äußern und führen Unterscheidungen wie eigen vs. fremd ein, um das aus ihrer Sicht eigentlich Kultivierte, das perspektivisch bestimmte Hochkulturelle hervorzuheben – und das andere, Massenkulturelle bzw. Populärkulturelle, zu ächten. Dafür suchen sie Kultur von als schädlich erachteten Einflüssen und Erträgen zu reinigen und von Verdorbenem zu befreien. Dies tun sie, ohne sich selbst von dem Kritisierten schlechthin absondern zu können, wie Adorno bemerkt: „Dem Kulturkritiker paßt die Kultur nicht, der einzig er das Unbehagen an ihr verdankt. Er redet, als verträte er sei’s ungeschmälerte Natur, sei’s einen höheren geschichtlichen Zustand, und ist doch notwendig vom gleichen Wesen wie das, worüber er sich erhaben dünkt.“ Angesichts ihrer elitären oder vermeintlich elitären, somit einer minderheitlichen Herkunft überrascht es nicht, dass Kulturkritiken oft keine starke Mobilisierungskraft auf Mehrheiten entfalten; zumindest qua Definition und anfänglich.

Schlagworte: Kulturkritik | Gesellschaft | Politik

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Erschienen in
Kultursoziologie 1 | 2017
Kulturkritik
122 Seiten

Vom Weltethos zur Zivilreligion des Weltbürgers

Anstoß für ein Forschungsprojekt

Das politisch-theoretische Nachdenken über Bedingungen friedlicher Koexistenz in der Welt ebbt angesichts mannigfacher Konflikte und Bedrohungsszenarien nicht ab. Dieses Reflektieren mutet in Anbetracht der Weltwirklichkeit wie utopisches Denken an, dessentwegen es aber nicht diskreditiert ist. Ein vielfach gerühmter und zugleich geschmähter Ansatz, einen Grund für globale friedliche Koexistenz zu legen, stammt von dem Tübinger Theologen Hans Küng.

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Erschienen in
Welttrends 120 | 2016
Am Ziel vorbei – Weißbuch 2016
72 Seiten

Guido Westerwelle

Ein Nachruf

„Bedenke das Ende!“ – so der Titel eines Gastbeitrags von Guido Westerwelle in der Süddeutschen Zeitung vom April 2011. Er verteidigt darin die Entscheidung der deutschen Regierung, sich bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über die Resolution 1973 enthalten zu haben. Zu groß seien die Unsicherheiten, zu groß die Gefahr, dass ein militärisches Eingreifen den Bürgerkrieg in Libyen nicht beenden werde; nicht zuletzt liege kein Bündnisfall vor. Für diese Haltung wurde das Kabinett Merkel vehement angegriffen, insbesondere Westerwelle.

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Erschienen in
Welttrends 115 | 2016
Lateinamerikas Linke im Abschwung?
72 Seiten

WeltTrends Lehrtexte 20 | 2015

Behemoth und Doppelstaat

ISBN 978-3-941880-31-3 | ISSN 1861-5139 | 53 Seiten

Wer bildete das Herrschaftszentrum im Deutschland der Jahre 1933 bis 1945? Welche Gruppen stabilisierten das System bis zur Niederlage im Zweiten Weltkrieg? Fraenkels „Der Doppelstaat“ und Neumanns „Behemoth“ gelten als wegweisende Zugänge zum Verständnis der nationalsozialistischen Herrschaftspraxis. Beide Bücher sind bereits Anfang der 1940er Jahre erschienen. Es sind Klassiker: also Bücher, mit denen noch heute etwas anzufangen ist. Der Lehrtext ist eine Handreichung für Einsteiger und Studierende aller Semester, die sich erstmals mit den schwierigen Büchern beschäftigen.

WeltTrends Lehrtexte 19 | 2013

Wiedergelesen

ISBN 978-3-941880-69-6 | ISSN 1861-5139 | 131 Seiten

Berühmte Bücher der Politologie und der Soziologie sowie schätzenswerte sozialwissenschaftliche Raritäten stehen im Mittelpunkt des Sammelbandes: Aus Regalen wurden sie herausgefischt, abgestaubt und in aktuellem Interesse gelesen – wiedergelesen. Besprochen werden Bücher von Ernst Fraenkel, Juan Linz, Niccolò Machiavelli, Seymour Lipset, Samuel Huntington, Edmund Burke, Thomas Paine, Max Scheler, Georg Simmel, Max Weber, Raymond Aron, Kenneth Waltz u.v.a.

Das Völkerrecht ausschöpfen – Palästinas Antrag auf UNO-Mitgliedschaft

Interview mit Salah Abdel Shafi

In den Wirren des andauernden Nahostkonflikts stellt Palästina einen Antrag auf Vollmitgliedschaft in den Vereinten Nationen. Dieser Schritt ist international höchst umstritten. Wie werden sich der Sicherheitsrat und die UN-Generalvollversammlung gegenüber diesem Gesuch verhalten? Welche Konsequenzen hätte angesichts des Streits um die israelische Siedlungspolitik eine Ablehnung des Antrags? Anfang August sprach WeltTrends dazu mit dem Generaldelegierten Palästinas in der Bundesrepublik Deutschland.

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Erschienen in
Welttrends 80 | 2011
Japan 3/11
144 Seiten

Jenseits von Hormus – Steht ein militärischer Angriff auf Iran kurz bevor?

Interview mit Bahman Nirumand

Iran greife nach der Atombombe und sei deshalb eine Gefahr für den Weltfrieden, das wird in hiesigen Medien und in der Politik seit Jahren kolportiert. Nun droht der Ernstfall. Im Interview mit WeltTrends stellt der Journalist Bahman Nirumand das Kolportierte infrage. Das Interesse des Westens bestehe darin, die Kontrolle über die Region zu bewahren. Das Atomproblem sei ein Vorwand.

Schlagworte: Iran | USA | Sicherheitspolitik | Militär

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Erschienen in
Welttrends 83 | 2012
Arabische Brüche
144 Seiten

Von scharfen und unschar fen Grenzen

Europa gehört nicht zu Afghanistan

4 Seiten | Autor: Christoph Sebastian Widdau

Eingedenk des kulturalistischen Paradigmas von Lévi-Strauss und Huntington sowie der Ablehnung von westlichem Interventionismus und EU-Erweiterungspolitik spricht sich Theisen in seinem Beitrag „Selbstbegrenzung und Selbstbehauptung des Westens“ für dessen geordneten Rückzug angesichts sich abzeichnender weltpolitischer Konfliktlinien, die letztlich als kulturelle zu begreifen seien, aus. Der Beitrag kann als Appell an die Politikelite des Westens interpretiert werden, sich in vernünftiger Selbstbestimmung realpolitisch zu orientieren, um sich im Weltgefüge nicht vollends zu entmachten. Selbstbescheidenheit sei angezeigt. Der Versuch, eigene kulturelle Werte zu exportieren, sei gescheitert. Meine Absicht besteht weder darin, der Politikelite des Westens zu raten, sich dem Appell zu fügen, noch darin, ihr zu raten, sich dem Appell zu verweigern. Angesichts der Brisanz des Appells gilt es zunächst, sich der Bedingungen der Entscheidungsfindung behutsam zu vergewissern. Insofern werde ich in einem ersten Schritt einem Herkunftssinn des Begriffs Replik zu entsprechen suchen: Theisens Argument gegen den westlichen Kulturexport soll auf seine wesentlichen Punkte gebracht und wieder aufgerollt werden. Die möglichst präzise Kenntnis eines appellativ forcierten Arguments ist notwendig, um ihm folgen oder nicht folgen zu können – nicht nur „logisch“, sondern eventuell auch praktisch. In einem zweiten Schritt schließen sich Fragen zu einem Problem an, das in dem Argument besteht und das ich mit dem Begriff des Doppelschnellschusses bzw. Doppelschnellschlusses fasse.

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Erschienen in
Welttrends 89 | 2013
Russland und Wir
144 Seiten

Innere Möglichkeiten der Zeit

Oswald Spenglers »Der Untergang des Abendlandes: Gestalt und Wirklichkeit«

15 Seiten | Autor: Christoph Sebastian Widdau

Der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts folgte unmittelbar »Der Untergang des Abendlandes«. Mit dem Waffenstillstand von Compiègne wurden die Kampfhandlungen eines Weltkrieges beendet, der auf der einen Seite die Hoffnung auf die kulturell-reinigende Kraft konkreter Existenzkämpfe, auf der anderen Seite die These von der friedlichen Fortentwicklung der Menschheitsgeschichte nachdrücklich erschütterte. Deutungen des zivilisatorischen Elends durften sich des öffentlichen Interesses gewiss sein. Oswald Spenglers Deutung ging als umstrittener Klassiker in die Ideengeschichte ein und sorgte zu Lebzeiten des Autors für nichts weniger als dessen „Weltruhm“.

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Erschienen in
Kultursoziologie 1 | 2014
Kulturkreise
110 Seiten