Stadtkindheit – Aufwachsen in urbanen Räumen

zusammengestellt von:

Heftnummer: 
3
Anzahl Seiten: 
161
12,00 €

Die menschliche Zukunft liegt in den Städten – das ist fast schon ein Gemeinplatz zeitgenössischer Stadtforschung und Stadtpolitik. Weltweit zieht es immer mehr Menschen in urbane Räume. Mitte des 21. Jahrhunderts, so eine Prognose, werden rund drei Viertel der Weltbevölkerung in Metropolen leben. Außer Frage scheint damit zu stehen, dass Städte eine Zukunft haben. Umstritten ist aber, wie die Städte der Zukunft aussehen sollen und welche Bevölkerungsgruppen dort unter welchen Bedingungen und mit welchen Optionen leben können. Bezogen auf die westliche Hemisphäre kann man wohl sagen, dass die Potentiale und die Attraktivität städtischen Lebens wieder mehr Beachtung finden. Dies gilt nicht nur für die öffentliche Debatte, sondern auch für Fachdiskussionen. So ist etwa in der Stadtsoziologie schon länger die Rede von einer „Renaissance der Stadt“, die über die Innenstädte hinausgehe. Um die Jahrtausendwende stand hingegen die krisenhafte, mit deutlichem Bevölkerungsrückgang verbundene Stadtentwicklung im Fokus, die vor allem traditionelle Industrieregionen betrifft. Auch in dieser Zeitschrift waren „Schrumpfende Städte“ und die Probleme des demographischen und ökonomischen Wandels mehrfach Thema, und zwar bezogen auf Ostdeutschland (Heft 2/2002 und 6/2005) sowie im internationalen Maßstab (Heft 1/2007). Das neuerwachte Interesse an den Potentialen von Städten sollte jedoch nicht verwechselt werden mit einer Ignoranz gegenüber Krisenerscheinungen. In Forschung, Politik und Verwaltung scheint vielmehr die Einsicht gewachsen zu sein, dass sich Probleme städtischen Lebens nicht von oben lösen lassen, sondern die Einbeziehung der Stadtbewohner_innen erfordern. „Partizipation“, aber auch „Protest“ sind in diesem Zusammenhang zu Schlüsselbegriffen geworden. So plädiert etwa der britisch-amerikanische Geograph und Sozialwissenschaftler David Harvey in seiner Studie über „Rebellische Städte“ Berlin 2013) für ein demokratisches „Recht auf Stadt“. Er fordert, Städte für den antikapitalistischen Kampf zurückzuerobern. Die Maßnahmen und Praktiken, die die Eigeninitiative zivilgesellschaftlicher Akteure im städtischen Raum stimulieren wollen oder schon zum Ausdruck bringen, sind indes sehr vielfältig: Sie reichen von Projekten der Stadtentwicklung und des Quartiersmanagements, die auf Bürgerbeteiligung zielen, über den neo-bürgerlichen Zeitgeist, der sich dem Urban Gardening widmet und seiner „Landlust“ frönt, bis zu neuen Aktionsformen einer gemeinschaftlichen Wiederaneignung des öffentlichen Raumes im digitalen Zeitalter.