Leben mit der Krise – der komplette Themenschwerpunkt

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Die Beiträge des Schwerpunkts erzählen Geschichten von mehr als zwanzig Menschen, die in Armut leben und von sozialstaatlichen Transferleistungen abhängig sind. Die Darstellungen basieren auf Interviews oder Gesprächen, die die Autoren geführt und manchmal durch Beobachtungen oder durch eingesehene Dokumente ergänzt haben. Die Geschichten beschreiben soziale Lagen in einer Krise. Die Krise ist einerseits die Langzeitfolge des Umbruchs in Ostdeutschland, der viele Menschen entwurzelte und die Sozialisationsprozesse der nachfolgenden Generationen behinderte. Nicht alle haben zu einem erfüllten Leben zurückgefunden, viele Jugendliche und junge Erwachsene verließen die Region und ein großer Anteil der Zurückgebliebenen fand keinen erfolgreichen Einstieg in das Erwerbsleben. In einigen Regionen haben Deindustrialisierung und Abwanderung zu massenhafter Erwerbslosigkeit, Verödung der Dörfer und Landstädte und zur Perspektivlosigkeit für vermutlich zwei oder drei Generationen geführt. Die Krise ist aber auch zurückzuführen auf langfristige Transformationsprozesse der kapitalistischen Ökonomien, die durch die Vereinigungsumbrüche verstärkt wurden, längst aber nicht nur in Ostdeutschland zu beobachten sind: der Wandel von einem fordistischen, auf industrieller Produktion beruhenden Wirtschaftsmodell steigenden Wohlstands hin zu einer sich deindustrialisierenden, auf Technisierung und Digitalisierung basierenden Dienstleistungsökonomie, die durch zunehmende Ungleichheit geprägt ist und große regionale Unterschiede und soziale Segregation in ganz Europa verstärkt. / Die Schwerpunktbeiträge im Einzelnen: (1) Rainer Land, Andreas Klärner: Leben mit der Krise. Was Narrationen offenbaren (4-15); (2) Andreas Klärner: Jenseits der Arbeitsgesellschaft. Joachim Wiechert auf der Suche nach Normalität (16-21); (3) André Knabe: Arbeitslos in Panama. Annemarie Kolkowski tut, als ob nichts wäre (22-26); (4) Max Leckert: Nicht vorwärts und nicht zurück. Sabou Abani ist immer noch auf der Flucht (27-29); (5) Sylvia Keim: Alleinerziehend, arbeitslos, perspektivlos? Anne Wegner zwischen Familienmanagement und Erschöpfung (30-34); (6) Stefan Brandt: Arrangements mit und Sinnbezüge zu prekären Erwerbssituationen. Detlef Krug: „Ich kann’s ja doch nich ändern“ (35-39); (7) Hagen Fischer: „Ich muss immer genau wissen, was ich zu tun hab.“ Jürgen Nobel braucht Sicherheit (40-44); (8) Rainer Land: Zwischen Eigensinn und Hilflosigkeit. Lebenskonstruktionen in einer ländlichen Krisenregion (44-60)

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