Landnahme und die Grenzen kapitalistischer Dynamik

Eine Ideenskizze

17 Seiten | Autor: Klaus Dörre

Seit ihrer Entstehung zeichnen sich kapitalistisch formierte moderne Gesellschaften durch eine enorme Anpassungsfähigkeit aus. Selbst schwerste ökonomische Krisen haben in der Vergangenheit allenfalls als Treiber für eine Revitalisierung kapitalistischer Dynamik gesorgt. Der Kapitalismus ist kein fester Kristall, keine geronnene Struktur, er „ist nichts, wenn er nicht in Bewegung ist“. Auf die Selbstverwertung von Wert programmiert, beziehen kapitalistische Gesellschaften ihre Dynamik geradezu aus der Fähigkeit dominanter Akteure, immanente Grenzen kapitalistischer Akkumulation zumindest zeitweilig zu umgehen oder zu überwinden, wobei „jede Schranke von einer anderen abgelöst werden kann“. Angesichts der anhaltenden Krisenprozesse (nicht nur) in den Kernregionen des globalen Nordens, scheint es jedoch, als büße dieser Imperativ dynamischer Selbststabilisierung nunmehr seine Fraglosigkeit ein, denn mit konventionellem Wirtschaftswachstum ist ausgerechnet das bislang wichtigste Mittel zur Überwindung ökonomischer Krisen ökologisch zum Problem geworden. Die ökonomisch-ökologische Doppelkrise drängt zu einer erneuten gesellschaftlichen Transformation, die nun ausgerechnet jenes Gesellschaftssystem erfasst, das Bevölkerungsmehrheiten in den osteuropäischen Gesellschaften vor zwei Jahrzehnten als Ziel eines erwünschten Systemwandels galt. Wie Gesellschaften jenseits konventionellen Wirtschaftswachstums aussehen könnten, ist vorerst wissenschaftlich wie politisch eine offene Frage. Nachfolgend wird der Vorschlag präsentiert, das Konzept kapitalistischer Landnahmen zu nutzen, um die Problematik einer solchen Transformation theoretisch wie zeitdiagnostisch zumindest in einigen ihrer Dimensionen auszuloten. Die Begründung dieses Vorschlags erfolgt in drei Schritten. Zunächst wird das Landnahmekonzept in seinen wachstumskritischen Implikationen erläutert, es folgt eine Skizze seines zeitdiagnostischen Potentials. Abschließend werden einige theoretische Schlussfolgerungen präsentiert.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2011
Die kapitalistische Moderne nach der Postmoderne
168 Seiten

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