Ostdeutschland

Exklusion, Integration oder Konkurrenz?

Erwerbsintegration von Migrantinnen und Migranten

Inwiefern dem drohenden Fach- und Arbeitskräftemangel in Ostdeutschland durch die Integration von Geflüchteten und anderen Migrant(inn)en entgegengewirkt werden kann, diskutieren Holle Grünert, Thomas Ketzmerick und Bettina Wiener anhand von Beispielen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt. Gestützt auf Ergebnisse eines Forschungsprojekts berichten sie über die Erwerbsintegration von Migrant(inn)en. Ihr Ausgangspunkt ist die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Tatsache, dass Teile der Belegschaften in absehbarer Zeit ersetzt werden müssen. Hinzu kommt ein aktueller Arbeits- und Fachkräftebedarf aufgrund der günstigen Konjunktur. Ihre These ist, dass Arbeitsmigration und Zuwanderung unter diesen Bedingungen einen Beitrag zur Bedarfsdeckung leisten können, wenn es gelingt, die nach Deutschland gekommenen Menschen zu integrieren und ihre Potentiale weiterzuentwickeln und wirtschaftlich zu nutzen. Mithin stellt sich die Frage, was getan werden kann und muss, damit nicht ein Teil der erwerbsfähigen Migrantinnen und Migranten vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen bleibt oder dauerhaft in vergleichsweise unattraktive Arbeitsmarktsegmente und Beschäftigungsverhältnisse abgedrängt wird, sondern sie vielmehr die Einstiegsvoraussetzungen für anspruchsvolle und qualifizierte Beschäftigung erlangen. Demografischer Wandel und steigende fachliche Anforderungen erfordern ein bewusstes Reagieren bei der Fachkräftesicherung. Der Umgang mit Arbeitsmigration und Zuwanderung bekommt hier eine zunehmende Bedeutung für die Wirtschaft. Dass sich das Fachkräfteproblem dadurch aber nicht lösen lässt, versteht sich von selbst. Auf jeden Fall erfordern Kompetenzentwicklung und Qualifizierung ebenso wie die soziale Integration der Zugewanderten erhebliche Anstrengungen.

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Erschienen in
Berliner Debatte 3 | 2017
Demografischer Wandel und Arbeit in Ostdeutschland
160 Seiten

Normalisierte Prekarität und kollektive Solidarität

Eine junge Beschäftigtengeneration entdeckt die Interessenvertretung wieder

15 Seiten | Autor: Marcel Thiel, Dennis Eversberg

Marcel Thiel und Dennis Eversberg demonstrieren in ihrem Aufsatz, dass sich inzwischen eine Stärkung gewerkschaftlicher Arbeit in Ostdeutschland aufgrund eines Generationenwechsels beobachten lässt. Dabei vertreten die Autoren die These, dass jüngere Gewerkschaftsmitglieder nicht mehr von den Erfahrungen aus der DDR geprägt sind, sondern dass Erfahrungen „normalisierter Prekarität“ eine Grundlage für ihr gewerkschaftliches Engagement sind.

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Erschienen in
Berliner Debatte 3 | 2017
Demografischer Wandel und Arbeit in Ostdeutschland
160 Seiten

Vom Planerfüllungspakt zur Konfliktbereitschaft?

Zur Geschichte des Arbeiterbewusstseins in Ostdeutschland

15 Seiten | Autor: Maria-Elisabeth Neuhauss, Ingo Singe

Dass es für den momentan diagnostizierten Bewusstseinswandel der ostdeutschen Arbeitsbevölkerung „historische Vorläufer“ gab, erzählen Maria Neuhauss und Ingo Singe in ihrem Beitrag zur Geschichte des Arbeitsbewusstseins in Ostdeutschland. Dabei zeigen sie, dass die Ablehnung kollektiver Interessenvertretungen in den Jahren nach der deutschen Vereinigung nicht nur auf die Arbeitsmarktkonkurrenz zurückzuführen war, sondern ebenso auf in der DDR-Zeit erworbenen Praktiken individuellen Konflikthandelns beruht.

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Erschienen in
Berliner Debatte 3 | 2017
Demografischer Wandel und Arbeit in Ostdeutschland
160 Seiten

Das Ende des ostdeutschen Arbeitsspartaners

Warum der Umbruch auf dem Arbeitsmarkt die Arbeitskultur verändern wird

14 Seiten | Autor: Michael Behr

Michael Behr zeichnet in seinem Beitrag nach, wie sich gegenwärtig in den neuen Ländern ein Umbruch im Beschäftigungssystem und auf dem Arbeitsmarkt vollzieht. Er konstatiert für diese eine „zweite Wende“, bei der es darum gehe, „die Hypotheken einer leidlich erfolgreichen Überlebensgesellschaft“, welche nunmehr die Zukunftsfähigkeit der Region bedrohen, abzubauen. Als Treiber dieser Veränderung gilt die Demografie. Ein marginal positiver Wanderungssaldo, eine leichte Reduktion des Pendlersaldos, eine gebremste Zuwanderung aus dem Ausland sowie steigende Geburtenzahlen nähren die Hoffnung, Ostdeutschland sei „aus der Gefahr“.

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Erschienen in
Berliner Debatte 3 | 2017
Demografischer Wandel und Arbeit in Ostdeutschland
160 Seiten

„Die Ballungszentren sind die Motoren des demografischen Aufschwungs“

Gespräch mit Reiner Klingholz und Manuel Slupina

Reiner Klingholz und Manuel Slupina vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung gehen auf die regionale Ausdifferenzierung zwischen Peripherien und dynamischen Ballungszentren in Ostdeutschland ein. Aus dem Interview geht hervor, dass vor allem strukturschwachen Regionen droht, in eine Abwärtsspirale zu geraten. Will man dieser begegnen, bedarf es nicht zuletzt zivilgesellschaftlichen Engagements. Dabei gewinnen alternative Formen der Versorgung wie ärztliche Gemeinschaftspraxen, Multifunktionsläden oder mobile Bürgerbüros an Bedeutung.

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Erschienen in
Berliner Debatte 3 | 2017
Demografischer Wandel und Arbeit in Ostdeutschland
160 Seiten

Totgesagte leben länger: Demografischer Wandel und Arbeitspolitik in Ostdeutschland

Ausgangspunkt des Schwerpunkts „Demografischer Wandel und Arbeit in Ostdeutschland“ ist die Hypothese der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, wonach sich der Bevölkerungsrückgang in den ostdeutschen Bundesländern auch in Zukunft fortsetzen werde und die Schrumpfung der Einwohnerzahl bis 2060 bis zu 26 Prozent betragen könne. Dadurch würde auch das Erwerbspersonenpotential weiter zurückgehen. Zudem werden die Beschäftigten im Schnitt immer älter. Die Folge seien, sofern man eine stabile Nachfrage und weiter wachsende Produktion unterstellt, ein flächendeckender Fachkräftemangel und Unternehmensabwanderungen, was das Risiko einer erneuten sozialen Abwärtsspirale berge. Demgegenüber lässt sich ein differenzierteres Bild zeichnen, indem der Fokus nicht nur auf die Trends der Bevölkerungsentwicklung gelegt wird, sondern auch Umbrüche in der Arbeits- und Lebenswelt berücksichtigt werden. Entscheidend ist dabei nicht nur die Frage, wie sich die Geburten- und Sterberaten in den neuen Ländern entwickeln, sondern auch, welche Wechselwirkungen dabei zu beobachten sind, die Veränderungen der Bevölkerungszusammensetzung und Migrationsströme bedingen. Dabei spielen neben wirtschaftlichen Gründen auch infrastrukturelle sowie regionale Aspekte eine Rolle. Wie diese Faktoren miteinander interagieren, wird in dem Beitrag von Stefan Schmalz, Sarah Hinz, Anne Hasenohr und Ingo Singe diskutiert. Dabei werden auch mögliche Ausblicke auf Gestaltungsvarianten des demografischen Wandels gegeben. Die Autor(inn)en versuchen zu zeigen, dass der demografische Wandel nicht nur negativ wirkt, sondern auch neue Formen der Arbeitsgestaltung ermöglicht.

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Erschienen in
Berliner Debatte 3 | 2017
Demografischer Wandel und Arbeit in Ostdeutschland
160 Seiten

Berliner Debatte Initial 3 | 2017

Demografischer Wandel und Arbeit in Ostdeutschland

ISBN 978-3-945878-54-5 | ISSN 0863-4564 | 160 Seiten

Die soziale Spaltung der bundesdeutschen Gesellschaft ist kein Ost-West-Problem und auch kein Ergebnis der deutschen Vereinigung. Die Gründe dafür sind vielmehr in den ökonomischen und sozialen Grundlagen der Gesellschaft und in der einseitig an Kapitalinteressen orientierten Politik der letzten Jahrzehnte zu suchen. Gleichwohl bildet das bis heute zu konstatierende West-Ost-Gefälle in den Arbeits- und Lebensbedingungen eine Facette sozialer Differenzierung und damit ein zentrales Problem der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. So wird im „Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2017“ festgestellt, dass trotz der insgesamt recht erfolgreichen Bilanz „noch ein gutes Stück Weg zu gehen [bleibt], um noch bestehende, vor allem wirtschaftliche, Unterschiede zwischen Ost und West zu überwinden“ (S. 9). Dies betrifft nicht zuletzt die Beschäftigungssituation und die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Trotz der insgesamt ernüchternden Bilanz des ostdeutschen Aufhol- und Integrationsprozesses sind die Lichtblicke und positiven Beispiele, die insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, und hier wiederum besonders in den Ballungszentren, in den letzten Jahren zu verzeichnen sind, nicht zu unterschätzen. Die erfreulichen Nachrichten betreffen nach Jahrzehnten der Abwanderung und des massiven Bevölkerungsrückgangs die demografische Entwicklung, die Zunahme der Beschäftigung und die Integration von Migrant(inn)en in den ostdeutschen Arbeitsmarkt. Diesen Prozessen, ihrer differenzierten Wahrnehmung und den damit verbundenen Problemen ist der Schwerpunkt des Heftes „Demografischer Wandel und Arbeit in Ostdeutschland“ gewidmet.

Inhalt

Leben mit der Krise

Was Narrationen offenbaren

12 Seiten | Autor: Rainer Land, Andreas Klärner

Dieser Beitrag legt den konzeptionellen Rahmen des Themenschwerpunkts dar und erläutert, wie individuelle Lebenskonstruktion und soziale Lage im Zusammenhang erforscht werden können. Narrationen offenbaren, wie der Einzelne in einer bestimmten sozialen Lage, die zunächst als gegeben genommen wird, sein eigenes Leben konstruiert, führt und reguliert, ihm einen Sinn gibt. Dabei kann die eigene Lage als unveränderbar, veränderbar oder auch veränderungsnotwendig erscheinen, das eigene Handeln auf Erleiden oder Verändern gerichtet sein, auf das Verändern des Selbst oder das der Umstände. Renitenz, Resignation und Depressionen sind beobachtbar. Soziale Lage und Lebenskonstruktion sind die Bezugspunkte, unter denen die Erzählungen ausgewertet, sortiert und aufgeschrieben wurden. Im Verhältnis von sozialer Lage und Lebenskonstruktion spiegeln sich Gesellschaft und Individuen wechselseitig.

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Erschienen in
Berliner Debatte 3 | 2016
Leben mit der Krise
160 Seiten

Leben mit der Krise – der komplette Themenschwerpunkt

Die Beiträge des Schwerpunkts erzählen Geschichten von mehr als zwanzig Menschen, die in Armut leben und von sozialstaatlichen Transferleistungen abhängig sind. Die Darstellungen basieren auf Interviews oder Gesprächen, die die Autoren geführt und manchmal durch Beobachtungen oder durch eingesehene Dokumente ergänzt haben. Die Geschichten beschreiben soziale Lagen in einer Krise. Die Krise ist einerseits die Langzeitfolge des Umbruchs in Ostdeutschland, der viele Menschen entwurzelte und die Sozialisationsprozesse der nachfolgenden Generationen behinderte. Nicht alle haben zu einem erfüllten Leben zurückgefunden, viele Jugendliche und junge Erwachsene verließen die Region und ein großer Anteil der Zurückgebliebenen fand keinen erfolgreichen Einstieg in das Erwerbsleben. In einigen Regionen haben Deindustrialisierung und Abwanderung zu massenhafter Erwerbslosigkeit, Verödung der Dörfer und Landstädte und zur Perspektivlosigkeit für vermutlich zwei oder drei Generationen geführt. Die Krise ist aber auch zurückzuführen auf langfristige Transformationsprozesse der kapitalistischen Ökonomien, die durch die Vereinigungsumbrüche verstärkt wurden, längst aber nicht nur in Ostdeutschland zu beobachten sind: der Wandel von einem fordistischen, auf industrieller Produktion beruhenden Wirtschaftsmodell steigenden Wohlstands hin zu einer sich deindustrialisierenden, auf Technisierung und Digitalisierung basierenden Dienstleistungsökonomie, die durch zunehmende Ungleichheit geprägt ist und große regionale Unterschiede und soziale Segregation in ganz Europa verstärkt. / Die Schwerpunktbeiträge im Einzelnen: (1) Rainer Land, Andreas Klärner: Leben mit der Krise. Was Narrationen offenbaren (4-15); (2) Andreas Klärner: Jenseits der Arbeitsgesellschaft. Joachim Wiechert auf der Suche nach Normalität (16-21); (3) André Knabe: Arbeitslos in Panama. Annemarie Kolkowski tut, als ob nichts wäre (22-26); (4) Max Leckert: Nicht vorwärts und nicht zurück. Sabou Abani ist immer noch auf der Flucht (27-29); (5) Sylvia Keim: Alleinerziehend, arbeitslos, perspektivlos? Anne Wegner zwischen Familienmanagement und Erschöpfung (30-34); (6) Stefan Brandt: Arrangements mit und Sinnbezüge zu prekären Erwerbssituationen. Detlef Krug: „Ich kann’s ja doch nich ändern“ (35-39); (7) Hagen Fischer: „Ich muss immer genau wissen, was ich zu tun hab.“ Jürgen Nobel braucht Sicherheit (40-44); (8) Rainer Land: Zwischen Eigensinn und Hilflosigkeit. Lebenskonstruktionen in einer ländlichen Krisenregion (44-60)

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Erschienen in
Berliner Debatte 3 | 2016
Leben mit der Krise
160 Seiten

Der unvollendete Aufholprozess der ostdeutschen Wirtschaft

16 Seiten | Autor: Udo Ludwig

Dieser Beitrag ist der wirtschaftlichen Entwicklung Ostdeutschlands seit 1990 gewidmet. In ihm analysiert der Konjunktur- und Ostdeutschlandforscher Udo Ludwig die Ursachen dafür, warum der Aufholprozess der ostdeutschen Wirtschaft seit einem Jahrzehnt kaum mehr vorankommt und sich die Leistungsrückstände der ostdeutschen Wirtschaft verfestigen. Über die seit einiger Zeit diskutierten strukturellen Ursachen für diesen Tatbestand hinweg verortet der Beitrag den „eigentlichen“ Grund für die Stagnation des Aufholprozesses im Verlust des anfangs erzielten Modernisierungsvorsprungs der ostdeutschen Wirtschaft. Ausschlaggebend dafür sind vor allem die aus der Transformation der Zentralplanwirtschaft der DDR hervorgegangenen Eigentümer- und Größenverhältnisse der Produktions- und Dienstleistungsstätten. Diese haben dazu geführt, dass in der ostdeutschen Wirtschaft entschieden zu wenig Innovationen und zu geringe Investitionen realisiert wurden, wodurch Rückstände entstehen, die sich schließlich verfestigen und reproduzieren.

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Erschienen in
Berliner Debatte 2 | 2015
25 Jahre Deutsche Einheit: Ostdeutschlands fragmentierte Integration
146 Seiten