2017

Dokumentation: Aus Franz Fühmanns Briefwechsel mit Ingrid Prignitz und Wolfgang Heise

Mit einer Einleitung von Kirsten Thietz: Räuber und Untertan. Franz Fühmanns Aufsatz „Ignaz Denner“ oder Wie man E.T.A. Hoffmann mit Hegel liest

11 Seiten | Autor: Franz Fühmann, Kirsten Thietz

Die hier abgedruckten Auszüge aus dem Briefwechsel, den der Schriftsteller Franz Fühmann in den 1970er Jahren mit Ingrid Prignitz, seiner Lektorin beim Hinstorff-Verlag, und dem Philosophen Wolfgang Heise geführt hat, beziehen sich auf Fühmanns Auseinandersetzung mit dem Romantiker E. T. A. Hoffmann, insbesondere auf die Fertigstellung der 1979 im Hinstorff Verlag erschienenen Essaysammlung „Fräulein Veronika Paulmann aus der Pirnaer Vorstadt oder Etwas über das Schauerliche bei E.T.A. Hoffmann“. Kirsten Thietz skizziert in ihrem einleitenden Essay das diskursive Umfeld, in dem die Briefe entstanden sind, und erläutert, wie Fühmann in seiner Studie „Ignaz Denner“ eine Erzählung E.T.A. Hoffmanns im Lichte der Hegelschen Herr-Knecht-Dialektik deutet.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2017
Flüchtiges Europa
186 Seiten

Ethnoheterogenese

(De-)Ethnisierung, Diversifizierung und multiple Mitgliedschaftsrollen in modernen Migrationsgesellschaften

14 Seiten | Autor: Nina Clara Tiesler

Nina Clara Tiesler verbindet in diesem Beitrag soziologische und kulturanthropologische Perspektiven, um das theoretische Verständnis von Entstehungs-, Wandlungs- und Auflösungsprozesse von Ethnizität zu schärfen. Als Ausgangspunkte dienen akteurszentrierte, interaktionistische und sozialkonstruktivistische Konzepte von Ethnizität. Die empirische Basis liefern die Ergebnisse mehrerer Fall- und Langzeitstudien über portugiesische Emigrant_innen in verschiedenen Ländern sowie über portugiesische Muslim_innen indisch-mosambikanischer Herkunft. In Einklang mit den Narrativen der begleiteten Familien zeigt die Analyse, dass Ethnizität weder als eine Form kollektiver Subjektivität noch als ein unveränderbarer Teil des Selbst verstanden werden kann, sondern vielmehr als eine unter vielen Mitgliedschaftsrollen, die Individuen annehmen und/oder die ihnen zugeschrieben werden. Als Oberbegriff, der diese anhaltend dynamischen, situativen und historisch kontingenten, formativen Prozesse fassen kann, wird für die Prozesskategorie „Ethnoheterogenese“ argumentiert.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2017
Flüchtiges Europa
186 Seiten

Transit, Einwanderung und Zirkulation

Geopolitische und sozioökonomische Faktoren der marokkanischen Migrationstransition

13 Seiten | Autor: Johana Berriane

Während die subsaharische Transitmigration in Marokko im Scheinwerferlicht der Medien und im Mittelpunkt der euromediterranen Verhandlungen steht, werden andere Migrationsströme aus Afrika und Europa in Richtung Marokko hingegen ignoriert. Diese Migrationen hängen mit sehr unterschiedlichen Prozessen zusammen und sind nicht nur eine Konsequenz des Scheiterns einer Transitmigration nach Europa. Der Artikel von Johara Berriane dient dazu, diese unterschiedlichen Facetten und Faktoren der Migration nach Marokko besser zu beleuchten. Gleichzeitig wird nach der Rolle der staatlichen Maßnahmen und anderen Prozessen gefragt, die direkt und indirekt diese Migration nach Marokko beeinflussen. Schließlich soll auch aufgezeigt werden, dass die Einwanderung von Europäer_innen und Afrikaner_innen nach Marokko nicht nur zu einer dauerhaften Sesshaftigkeit führt, sondern auch zur Verstärkung der Zirkulation beiträgt.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2017
Flüchtiges Europa
186 Seiten

Abschiebung statt Umsiedlung?

EU-Hotspots in Griechenland und die EU-Türkei-Erklärung – Ein Überblick aus rechtlicher Sicht

21 Seiten | Autor: Catharina Ziebritzki, Robert Nestler

Wie wirkt sich der „Hotspot Approach“ der EU auf Aufnahmebedingungen und Asylverfahren in den Flüchtlingslagern an der EU-Außengrenze aus? Werden die Grundrechte der Asylsuchenden und rechtstaatliche Grundsätze gewahrt? Dieser Aufsatz betrachtet das Hotspot-Konzept und dessen Umsetzung am Beispiel der griechischen Ägäis aus rechtlicher Sicht. Ziel ist eine knappe rechtliche Bestandsaufnahme, die von der Frage geleitet ist, ob das Hotspot-Konzept und seine spezifische Form der Umsetzung in der griechischen Ägäis Grundrechten der Asylsuchenden, dem Flüchtlingsrecht, sowie Unionsverfassungsrecht und rechtsstaatlichen Grundsätzen genügt. Dazu müssen auch die EU-Umverteilungsbeschlüsse und die „EU-Türkei-Erklärung“ in den Blick genommen werden – insbesondere letztere prägt die Umsetzung des Hotspot-Konzepts in der Ägäis. Nach der Darstellung dieser Instrumente werden die wesentlichen gesetzlichen Regelungen und Verwaltungspraktiken, die in den griechischen Hotspot-Einrichtungen Anwendung finden, untersucht.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2017
Flüchtiges Europa
186 Seiten

Politische Gegen-Topographie internationaler Migration

8 Seiten | Autor: Sophia Hoffmann

Wie stellt sich die politische Landkarte aus der Perspektive derer dar, die versuchen, ohne gültige Einreisedokumente aus Asien und Afrika nach Europa zu gelangen? Und was lernen PolitikwissenschaftlerInnen aus einem solchen Perspektivwechsel? Das aus der politischen Geographie bekannte Konzept der Gegen-Topographie (engl. counter-topography) untersucht u.a. die Räume, die internationale Migrationsrouten strukturieren. Diese Räume, zu denen z.B. offizielle sowie grüne Grenzübergänge, Schmuggelrouten, Warte- und Transitzonen, Abschiebezellen oder Flüchtlingslager zählen, schärfen einerseits den Blick für die Instrumente, mit denen Staaten versuchen, der Unordnung, die durch Migration entsteht, entgegenzuwirken. Andererseits geben sie auch Auskunft über die Grenzen staatlicher Ordnung, und wie diese sich in der Interaktion mit Migration verändern. Unter Anwendung des Kontra-Topographie Konzepts stellt dieser Beitrag einige gegen-topographische Räume vor, die 2015 und 2016 auf der sogenannten Balkanroute entstanden.

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Berliner Debatte 4 | 2017
Flüchtiges Europa
186 Seiten

Der gescheiterte Multikulturalismus und die Politisierung des Kulturellen

16 Seiten | Autor: Christoph M. Michael

Die Rede von einem europäischen Multikulturalismus kann größtenteils als ein Fall politischer Mythenbildung betrachtet werden, während das Konstatieren seines Scheiterns als strategischer Sprechakt zu verstehen ist, der in einen komplexen Referenzrahmen eingebunden ist. Multikulturalismus erscheint als Chiffre für ein Spektrum diverser Phänomene, die Christoph Michael in diesem Artikel anhand dreier Bedeutungsebenen analytisch differenziert. Im Diskurs des Scheiterns manifestiert sich einerseits die zunehmende Kulturalisierung politischer Debatten, andererseits markiert dieser Diskurs die Unfähigkeit europäischer Politik, eine tragfähige Vision post-nationaler Demokratie zu entwickeln. Während bestimmte Ansätze die nationalstaatliche Kohäsion aufgrund einer unterstellten migrantischen Segregation in Parallelgesellschaften gefährdet sehen, erscheint die relative Abwesenheit struktureller, sozio-ökonomischer Perspektiven als blinder Fleck in der Debatte. Die abschließende Diskussion aktueller, „post-multikultureller“ Konzepte kultureller Anerkennung im liberalen Verfassungsstaat zeigt, warum das politische Vokabular des Multikulturalismus insbesondere in Zeiten starker Zuwanderung unverzichtbar ist.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2017
Flüchtiges Europa
186 Seiten

„Wir waren auch Flüchtlinge“

Erinnerungspolitische Interventionen in der Flüchtlingsdebatte

9 Seiten | Autor: Serhat Karakayali

Serhat Karakayali geht in diesem Aufsatz der Frage nach, welchen Einfluss die Geschichte der sogenannten Vertreibung während und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte hat. Die historische Fluchterfahrung könnte, so eine der Annahmen, über Mechanismen transgenerationaler Übertragung und Weitergabe heutige Bundesbürger in ihren Einstellungen gegenüber Flüchtlingen beeinflussen. Sind daher Menschen, die eine solche Erfahrung in ihrer Familiengeschichte haben, besonders sensibel gegenüber anderen Geflüchteten? Oder handelt es sich, dies ist die gleichsam entgegengesetzte Hypothese, um einen erinnerungspolitischen Akt des „cross-referencing“? Die Analyse beruht auf Umfragedaten unter Ehrenamtlichen, die sich für Flüchtlinge engagieren, sowie auf narrativen Interviews und Fokusgruppengesprächen mit Ehrenamtlichen und Initiativen.

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Berliner Debatte 4 | 2017
Flüchtiges Europa
186 Seiten

Europa ohne Flüchtlinge?

Flucht und Gewaltmigration in der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts

12 Seiten | Autor: Marcel Berlinghoff

Die Ankunft einer großen Zahl von Flüchtlingen in Europa wurde in den vergangenen Jahren vor allem als Krise verhandelt. Dabei entstand der Eindruck, es mit einem Fluchtgeschehen zuvor nie gekannten Ausmaßes zu tun zu haben. Dies erstaunt mit Blick auf die europäische Migrationsgeschichte des 20. Jahrhunderts, dessen zeitgenössische Bezeichnung als „Jahrhundert der Flüchtlinge“ auf wiederkehrende massenhafte Erfahrungen von Gewaltmigration – Vertreibung, Flucht und Deportation – verweist. Erfahrungen, auf denen auch das bis heute etablierte internationale Flüchtlingsregime beruht. Marcel Berlinghoff betrachtet die großen europäischen Fluchtereignisse des 20. Jahrhunderts sowie die nationalen und internationalen Reaktionen darauf im Kontext der politischen Entwicklung des Kontinents – einer Entwicklung, die ohne Flüchtlinge nicht zu denken ist.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2017
Flüchtiges Europa
186 Seiten

Die unterschätzte Krise – Deutsche Flüchtlingspolitik 1992/93 und 2015/16

14 Seiten | Autor: Alfons Söllner

Alfons Söllner zeigt in einer vergleichenden Analyse der deutschen Asylpolitik der Jahre 1992/93 und 2015/2016, dass sich jenseits der ausgeprägten juristischen Fachdebatte über die nationale und internationale Ausgestaltung des Asyl- und Flüchtlingsrechts sowie einer interdisziplinären Forschung über Arbeitsmobilität und Migration bisher keine elaborierte politikwissenschaftliche Theorie von Flucht und Asyl entwickelt hat.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2017
Flüchtiges Europa
186 Seiten

Berliner Debatte Initial 4 | 2017

Flüchtiges Europa

ISBN 978-3-945878-55-2 | ISSN 0863-4564 | 186 Seiten

Abgesänge auf Europa sind schon länger in Mode. Die politischen, ökonomischen und ideellen Krisen, die vor allem die EU seit Jahren plagen, halten nicht wenige für überdeutliche Anzeichen eines unaufhaltsamen Auflösungs- und Zerfallsprozesses. Dass in Europa die Integrationskräfte nachlassen und die Fliehkräfte zunehmen, scheint kaum ein anderes Ereignis besser zu belegen als die Flüchtlingskrise, die im Sommer 2015 eskalierte. Diese Krise hat innerhalb der EU zu einem Dauerstreit um die Verteilung von Flüchtlingen geführt und dominiert nach wie vor die innenpolitischen Debatten in der Bundesrepublik Deutschland. Vielleicht ist das momentane Interregnum, in dem die Bundesregierung nur geschäftsführend amtiert und offen ist, wie die nächste Regierungskoalition aussieht, nicht der schlechteste Zeitpunkt, um vom Klein-Klein der Tagespolitik abzusehen und die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 in größere Zusammenhänge einzuordnen. Der Themenschwerpunkt Flüchtiges Europa lädt genau hierzu ein: Die versammelten Beiträge erinnern daran, dass Flucht und Migration ein wesentlicher Bestandteil der europäischen Geschichte sind, und korrigieren damit die verbreitete Vorstellung, die Ereignisse des Jahres 2015 seien unvergleichlich. In den Texten wird zudem dafür argumentiert, die Flüchtlingskrise auch als Krise des europäischen Grenzregimes zu verstehen – eine Krise, die im Übrigen nicht erst 2015 begonnen hat und wie ein Fatum über Europa kam, sondern durchaus hausgemacht ist. Schließlich wird in dem Schwerpunkt eine Entwicklung problematisiert, die man als Kulturalisierung des Politischen bezeichnen kann. Gemeint ist die Ausblendung sozialer und sozio-ökonomischer Ungleichheit zugunsten der Überbetonung kultureller Differenzen im politischen Diskurs. Diese rhetorischen Verschiebungen und ihre sozialstrukturellen Folgen ins allgemeine Bewusstsein zu heben, kann auch die parteipolitische Diskussion beleben. Christoph Michael stellt in seiner Einleitung die einzelnen Beiträge des Thementeils vor und erklärt, warum die Figur des Flüchtlings die Krisen Europas symbolisiert und Europa sich auf einen post-humanitären Zustand zubewegt. Europa, so könnte man in Anspielung auf den Titel des Schwerpunkts sagen, ist also nicht nur flüchtig, weil es Geflüchtete beherbergt und Flucht, Vertreibung, Umsiedlung und Migration zu seiner Historie gehören. Flüchtig ist Europa auch insofern, als es Fehler im Umgang mit seinen Krisen macht, die auf Zeitdruck und die Unterwerfung unter vorgebliche Sachzwänge zurückgehen. Gerade im Angesicht der Flüchtlinge scheint sich Europa zu verflüchtigen, indem es sich aus der Verantwortung stiehlt, hinter seine normativen Grundsätze zurückfällt und juristische Mindeststandards unterbietet.

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