Vielsagendes Schweigen?

Die Versuche weißer Amerikaner, Joe Louis für sich zu deuten

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Am 22. Juni 1938 besiegte Joe Louis im New Yorker Yankee Stadium Max Schmeling in 124 Sekunden im Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewichtsboxen. Damit nahm er auf überzeugende Weise Revanche für seine am gleichen Ort erlittene K.o.-Niederlage vom 19. Juni 1936. Sein Sieg war zugleich ein Symbol für die Bereitschaft der USA, sich den Weltmachtsansprüchen Nazi-Deutschlands entschlossen zu widersetzen. Die amerikanische und die deutsche Erinnerung an diese zwei Kämpfe und ihre Protagonisten unterscheidet sich bis heute beträchtlich. Das zeigt sich nicht allein in der abweichenden Gewichtung der zwei Begegnungen, sondern – den verschiedenen, wenn auch zusammenhängenden Sachgeschichten der Länder entsprechend – in der Bewertung der beiden Boxer. Marcy S. Sacks stellt in ihrem Aufsatz eine inneramerikanische Perspektive auf den ersten „allamerikanischen“, von Weißen wie Schwarzen bewunderten Sporthelden vor. Die Historikerin zeigt anhand von Presserecherchen, wie es in einer von Weißen dominierten Öffentlichkeit gelang, die Bedeutung der sensationellen Erfolge des Afro-Amerikaners Joe Louis so zu interpretieren, dass sie nicht als Bedrohung weißer Vorherrschaft wahrgenommen werden konnten, sondern als deren Bestätigung.

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