Schwerpunkt: Stadtkindheit - Aufwachsen in urbanen Räumen

aus Berliner Debatte 2014/3

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Erwerben Sie ALLE sieben Beiträge des Themenschwerpunkts zum VORZUGSPREIS --- In seinem Problemaufriss fragt Jörg Nicht nach inhaltlichen und methodischen Berührungspunkten zwischen sozialwissenschaftlicher Stadt- und Kindheitsforschung. Er zeigt, dass sich die Grundschule in besonderer Weise eignet, um Zusammenhänge zwischen „Stadt“ und „Kindheit“ zu erforschen und Vereinseitigungen der Forschungsperspektiven zu überwinden. Die drei folgenden Beiträge präsentieren Ergebnisse aus empirischen Untersuchungen, in denen Methoden qualitativer Sozialforschung genutzt werden. Im Rekurs auf die erziehungswissenschaftliche Sozialisationsforschung zeichnet Susann Fegter nach, wie Jungen und Mädchen im Bahnhofsviertel von Frankfurt am Main aufwachsen. Sie konzentriert sich auf die Mobilität der Kinder und veranschaulicht, welche sozialen Arrangements Kinder und Eltern entwickeln, um den Schulweg in einem verkehrsreichen Raum zu meistern, und welche Geschlechterdifferenzen sich in ihren auf Verkehr bezogenen Selbstdeutungen finden. Das Team um Petra Neuhold und Paul Scheibelhofer berichtet aus einem Forschungsprojekt über das Leben von Kindern und Jugendlichen in Wien. Dabei geht es zunächst um das Grätzel als geschlechtlich codierten Ort und um Strategien der Umwertung und Aneignung des öffentlichen Raums. Am Beispiel von schulischen Konflikten um Mehrsprachigkeit werden anschließend Zusammenhänge von Stadt und Sprache analysiert. Auch Caterina Hannes und Korinna Lindinger untersuchen die Lebensbedingungen von Wiener Kindern. Ihr Artikel rückt jedoch nicht die öffentlichen Räume ins Zentrum, sondern den Wohnraum von Stadtkindern. Anhand von Interviewsequenzen und Zeichnungen rekonstruieren die Autorinnen, wie Kinder mit schwierigen Wohnsituationen umgehen, welche Nischen und Freiräume sie sich suchen und welche Bedeutung die Familie in diesem Kontext hat. In ihrem Diskussionsbeitrag geht Christiane Richard-Elsner von der Beobachtung aus, dass Kinder heute nicht mehr draußen spielen. Sie plädiert dafür, das freie, unreglementierte Kinderspiel im städtischen Raum zu fördern und zugleich in der sozialwissenschaftlichen Forschung stärker zu berücksichtigen. Anschließend wendet sich Michael Parmentier der Stadtkindheit aus kunsthistorischer Perspektive zu: Er analysiert eine der berühmtesten Darstellungen des Aufwachsens im urbanen Raum – die um 1560 entstandenen „Kinderspiele“ von Pieter Brueghel d. Ä. In den unterschiedlichen Interpretationen, die der Autor Revue passieren lässt, tritt der Hintersinn des Gemäldes deutlich hervor. Dass die zeitgenössische Sorge um die Stadtkinder kein Novum ist, zeigt ein Ausflug in die Ideengeschichte: Thomas Möbius beleuchtet die frühsowjetischen Stadtutopien, in denen die Idee separater Kinderstädte zeitweise großen Anklang fand. Er zeichnet Aufstieg und Fall dieser radikalen Idee nach und begründet, warum ihr kein längerfristiger Erfolg beschieden war.

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