Der lange Abschied vom Proletariat

Erneuerungsversuche des westlichen Marxismus

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André Gorz war ein undogmatischer Intellektueller, der in seinem Denken unabhängig blieb. Warum vollendete gerade er den Abschied vom Proletariat? Hatten nicht vor ihm bereits prominente Intellektuelle wie Theodor W. Adorno oder auch Herbert Marcuse Ähnliches verlauten lassen, ohne dass sie als „Tempelschänder des Marxismus“ gescholten wurden? Ich möchte versuchen, einen größeren theorie- und zeitgeschichtlichen Zusammenhang zu erfassen, in dessen Rahmen deutlich wird, dass bereits vor Gorz ein schrittweiser Abschied vom Proletariat vollzogen wurde, der immer wieder durch ein Abarbeiten an Hegel in der marxschen Revolutionstheorie begleitet wurde, das heißt mit den metaphysischen Resten im Geschichts-, Kapital- und Proletariatsbegriff zu tun hat. Diese Reste scheinen für eine Krise des Theorie-Praxis-Verhältnisses im Marxismus mitverantwortlich zu sein, so dass sich konsequent in der außertheoretischen Wirklichkeit die Krise durch mangelndes Klassenbewusstsein der Proletarier verlängert. Ich werde Verbindungen zur kritischen Theorie herstellen, dafür bis in die 1920er Jahre zurückgehen und den Bogen bis in die Gegenwart, mindestens aber bis Anfang der 1990er Jahre, spannen. Wir haben mit dieser Zeitspanne von etwas mehr als 70 Jahren genau den Rahmen, den Eric Hobsbawm als das short century bezeichnet hat. Dieses kurze Jahrhundert beginnt mit dem Ersten Weltkrieg und endet 1990/91 mit der Auflösung der bipolaren Weltordnung, mit der der Untergang des sogenannten real existierenden Sozialismus einherging.

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