Urbane Erinnerungspolitik und Dekolonisierung

Das Denkmal der Übersee-Kombattanten in Lissabon

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Die Beschaffenheit der gegenwärtigen europäischen Erinnerungskulturen zeichnet sich durch einen hohen Grad an Heterogenität aus. Mit Claus Leggewie kann man davon ausgehen, dass „Europas kollektives Gedächtnis nach 1989 [...] ebenso vielfältig wie seine Nationen und Kulturen [...] und genauso – im doppelten Sinne – geteilt wie seine Staatenund Gesellschaftswelt“ ist. Demzufolge lässt sich die europäische Erinnerungslandschaft als eine Formation von sieben Kreisen denken: Dabei bildet die Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Terrorregime den zentralen negativen Gründungsmythos des heutigen Europas, der im Internationalen Holocaust-Gedenktag einen Kristallisationspunkt findet. Auch die Verbrechen der nationalsozialistischen und kommunistischen Diktaturen stellen wichtige Marker der europäischen Erinnerung dar, ebenso wie die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und die damit verbundene Vertreibung ganzer Bevölkerungsteile. Zum heterogenen Feld erinnerungspolitischer Formationen sind weiterhin der Genozid an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs, Sklaverei und Kolonialismus sowie Emigration und die europäische Integration zu zählen. Es versteht sich, dass diese historischen Ereignisse und Prozesse je eigene Nachwirkungen produzierten, die nicht nur an bestimmte Nationen gebunden sind. Vielmehr werden diese Vergangenheiten unter bestimmten Gesichtspunkten in der Gegenwart rekonstruiert und sich von bestimmten sozialen Gruppen angeeignet, die sie für ihre jeweiligen Interessen heranziehen.

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