Pädagogik auf biowissenschaftlicher Grundlage?

Aktuelle Tendenzen der Naturalisierung von Bildung und Erziehung

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Wer momentan nach pädagogischer Ratgeberliteratur sucht, findet ohne große Mühe Titel wie „Jedes Kind ist hoch begabt. Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen“, „Wie Kinder heute lernen. Was die Wissenschaft über das kindliche Gehirn weiß. Das Handbuch für den Schulerfolg“, „Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt“ oder „Medizin für die Bildung. Ein Weg aus der Krise“. Verfasst sind diese Bücher von Neurobiologen und Medizinern, die eine breitere Öffentlichkeit mittlerweile aus Funk, Fernsehen und Feuilleton kennt. Dass sie sich kontinuierlich und engagiert zu einer Vielzahl von Bildungs- und Erziehungsfragen äußern, ist ein Anzeichen dafür, dass die Biowissenschaften heute einen festen Platz im pädagogischen Feld beanspruchen. Das pädagogische Engagement, das von neurowissenschaftlicher und medizinischer Seite ausgeht, ist mit unterschiedlichen Ambitionen verbunden: Das Spektrum reicht von der neurowissenschaftlichen Neubeschreibung pädagogisch relevanter Phänomene (z. B. Bauer 2008) über die Reform des Bildungssystems nach medizinischem Vorbild bis zum bildungspolitischen Programm einer praktisch relevanten Lernwissenschaft unter neurowissenschaftlichen Vorzeichen. Zwar unterscheiden sich die Vorschläge im Detail und je nach Adressat, doch gehen sie alle davon aus, dass die eigentliche Erklärung pädagogisch relevanter Phänomene auf neurowissenschaftlicher Ebene, im Gehirn, zu finden ist. Mit Blick auf professionelle Pädagogen schreibt etwa Manfred Spitzer: „Lernen ist nun der Gegenstand der Gehirnforschung schlechthin, daher wird ein Lehrer, der weiß, wie das Gehirn funktioniert, besser lehren können“.

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