Vorbildliche Gefühle

Monarchen als Modelle des Affektmanagements

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Am 30. Juni 1960 kam Baudouin I., König der Belgier, nach Leopoldville, heute Kinshasa, um die Kolonie Belgisch-Kongo in die Unabhängigkeit zu entlassen. Der Akt wurde gekrönt von einer Parade, bei der Baudouin im offenen Cabriolet durch die Stadt fuhr. Plötzlich näherte sich ein junger Mann, entriss ihm seinen Säbel und rannte mit seiner Beute davon. Der Fotograf Robert Lebeck stand zufällig am Wegesrand und schoss geistesgegenwärtig ein paar Aufnahmen von dieser Szene. Was so als Schnappschuss entstand, ist durch die Situation in hohem Maße zum Sinnbild geworden. Was dem kongolesischen Volk ursprünglich gegeben werden sollte, die Unabhängigkeit, hat es sich selbst genommen, zumindest in dem symbolischen Akt eines seiner Mitglieder. Doch wenn man die Aufnahmen mit einer anderen Szene vergleicht, zeigt sich in ihnen noch ein Aspekt, der nicht unmittelbar politisch zu deuten ist, aber eine historische Tiefendimension aufscheinen lässt.

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