Warum wir keine Utopien brauchen

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Visionen einer neuen Gesellschaft, die sich in positivem Sinne radikal von unserer bestehenden Sozialdemokratie unterscheidet und als erstrebenswertes Ziel oder zumindest als regulatives Ideal fungiert, sind Utopien, und auf solche Utopien können wir getrost verzichten. Das ist in aller Kürze die übergreifende These, die im Folgenden – als provokativer Diskussionsbeitrag, mithin polemisch – verteidigt werden soll. Die Überzeugung, die ihr zugrunde liegt, lässt sich wie folgt auf den Punkt bringen: Die liberaldemokratisch und sozialmarktwirtschaftlich orientierte Gesellschaftsordnung ist erhaltungswürdig und erhaltungsfähig, und die altbekannten Probleme, die sie mit sich bringt, sowie die neuartigen Herausforderungen, vor die ihre globale Ausbreitung uns stellt, können fruchtbar nur auf der Basis konkret-sachbezogener Überlegungen und praktisch-politischer Lösungen, nicht abstraktphilosophischer Gegenentwürfe oder kulturkritisch- fiktiver Alternativwelten angegangen werden. Deshalb sind Utopien bestenfalls sinnlos und schlimmstenfalls gefährlich. Der Begriff der Utopie wird hier also in sehr enger Bedeutung verwendet: Utopisch sind politische, philosophische, religiöse oder literarische Konzeptionen eines im Vergleich zum Bestehenden gänzlich anderen, wesentlich besseren1 Sozialarrangements, wenn und insofern sie als Grundlage für gesellschaftliches Handeln ausgegeben oder verstanden werden.

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