Möglichkeit einer Utopie?

Die literarischen Visionen Michel Houellebecqs

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Die Frage nach der Möglichkeit einer Utopie scheint aus logischer Sicht falsch formuliert zu sein – die Antwort darauf wäre eindeutig: natürlich ist die Utopie ex definitione unmöglich, nicht realisierbar, ein Nicht-Ort. Manche behaupten, dass utopische Vorstellungen historisch bedingt sind, und schließen die Verwirklichung solcher fantastischen Ideen im Laufe der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nicht aus. Doch umgesetzt, hören sie auf, utopisch zu sein. Utopie existiert nur als ein Produkt der Vorstellungskraft, als ein schönes Projekt, ein Entwurf einer besseren Welt – im Gegensatz zu bösen Visionen und Träumen, die eigentlich Alpträume sind und daher anti-utopisch, obwohl etymologisch gesehen der Utopie-Begriff axiologisch neutral ist. Jeder Versuch der Verwirklichung des Projekts führt unvermeidlich zur Deformation und Entstellung der ursprünglichen Idee. In diesem Kontext stellt sich das Problem, dass wir uns eine ideale Welt denken können – aber können wir diese auch leben? Und wenn wir den Versuch unternehmen, diese ideale Welt zu leben, in welcher Form? Individuellexistenziell oder gesamtgesellschaftlich-sozial? Für Michel Houellebecq scheint klar zu sein, dass es gesamtgesellschaftliche Utopien nicht mehr gibt. Aber sind sie dann wenigstens in der Existenz des Individuums möglich, wie es z.B. die „Philosophie der Lebenskunst“ als pragmatische Utopie propagiert?

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