Schuldenkrise als Demokratiekrise?

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'Dieser Beitrag setzt Habermas'' Demokratietheorie und post-strukturalistische Finanzmarktsoziologie zueinander in Beziehung, um die zentrale demokratietheoretische Problematik in der "europäischen Schuldenkrise" aufzuzeigen. Im Zuge der Entwicklung des Finanzmarkt-Kapitalismus entwickelten sich die Finanzmärkte zu einer Öffentlichkeit eigenen Ranges, an die sich Regierungsvertreter argumentativ wenden. Folglich stellen Gesellschaft und Ökonomie keine getrennten Sphären dar, sondern sie sind diskursiv verschränkt. Infolge dieser Verschränkung verliert der öffentliche Diskurs seine demokratiesierende Kraft und wird strukturell undemokratisch. Der Beitrag entwickelt dieses Argument in drei Schritten. Zunächst wird das Finanzmarktgeschehen poststrukturalistisch gedeutet, um davon ausgehend die diskursive Verschränkung von Gesellschaft und Finanzmarkt theoretisch aufzuarbeiten und die politische Artikulationslogik im Finanzmarkt-Kapitalismus zu rekonstruieren. Ein zweiter Schritt weist diese Artikulationslogik mittels einer interpretativen Inhaltsanalyse von vier Reden europäischer Spitzenpolitiker aus dem Jahr 2011 nach. Abschließend werden die Erkenntnisse als Beleg einer Demokratiekrise diskutiert. Erst eine Politisierung sozioökonomischen Wissens kann einen Weg aus dieser Finanz- und Demokratiekrise weisen.'

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