Zwischen Imperium und Postkolonialismus

Arbeit an der Nation in der russischen, polnischen und ukrainischen Gegenwartsliteratur

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Die Gegenwartsliteraturen in Russland, Polen und Ukraine beschäftigen sich intensiv mit ihren Nationen. Alle drei Staaten haben in den vergangenen zwanzig Jahre einen tief greifenden Transformationsprozess erlebt, die Ukraine erlangte erstmals – abgesehen von einem wenige Monate dauernden Abenteuer im Jahr 1917 – die eigene Staatlichkeit. In allen Fällen hat die postkommunistische Situation zu einem neuen Interesse an der Nation geführt – allerdings präsentieren sich sowohl die Voraussetzungen als auch die heutige Situation vollkommen unterschiedlich. Russland erlebt derzeit eine neue imperiale Begeisterung, die von vielen Autoren zelebriert wird. In der Ukraine dominiert ein Opferdiskurs, der die lange Abhängigkeit vom sowjetischen Zentrum unterstreicht. Moskau steht in dieser Interpretation nicht so sehr für die kommunistische Ideologie als vielmehr für den russischen Imperialismus gegenüber der ehemaligen „Kolonie“ Ukraine. Paradoxerweise überschneiden sich die gegensätzlichen Erfahrungen Russlands und der Ukraine in Polen, das sowohl geographisch als auch diskursiv zwischen dem russischen und ukrainischen Pol liegt: Hier herrscht eine widersprüchliche Mischung aus Imperium und Postkolonialismus.

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