Das Problem Hegel ist längst gelöst

Bemerkungen zur Hege I-Rezeption der DDR-Philosophie

8 Seiten | Autor: Camilla Warnke

Die Philosophie Hegels ist - ungeachtet der 40jährigen Trennung der beiden deutschen Staaten - immer gemeinsames Thema der Philosophie in Ost und West geblieben. Die Vorstellung eines solchen gemeinsamen Gegenstandes aber kann m. E. den Diskurs zum Zwecke besseren Verslehens der Geschichte der DDR-Philosophie befördern. Diese Funktion hat der gemeinsame Gegenstand auch unter der Voraussetzung, daß seine Sichtweise und sein Stellenwert im Gesamtkontext der DDR-Philosophie ein anderer war als in der Szene der altbundesrepublikanischen Philosophie, auch wenn diese Gemeinsamkeit also eine mehr oder weniger abstrakte gewesen ist. So haben beispielsweise jene Philosophen, die an der "Negativen Dialektik" der Frankfurter Schule ihr Hegel-Bild gewonnen haben, Hegels Dialektik in ihrem Dreierschritt von Affirmation, Negation und Negation der Negation als theoretisches Mittel zur Zementierung totalitärer Strukturen beargwöhnt. Für ihre Zeitgenossen, die im totalitären, realsozialistischen System lebten, die den Totalitarismus also praktisch erfuhren, war diese Sichtweise hingegen kaum nachzuvollziehen. Hier fungierte der theoretische Rückgriff auf Hegels Dialektik seit der Existenz der DDR immer auch als eines der möglichen Mittel, dogmatisch verfestigte Denkstrukturen in Frage zu stellen, also das Moment der ihr inhärenten Negativität zu entfalten.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 1992
Sozialwissenschaften in Ostdeutschland - Exempel
112 Seiten

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